Mit unvergesslichen Eindrücken aus Peru zurück

Die Entdeckung der faszinierenden kulturellen Vielfalt ihres Gastlandes und eine einmalige Erlebnisfülle kennzeichneten den achtwöchigen Auslandsaufenthalt von Carina Meyer und Yvonne Allers (Jg.12), die beide als erste Teilnehmerinnen des AGG Harsefeld an einem von der Organisation CAPA (Centro de Amistad Peruano Alemán) arrangierten Schüleraustausch mit Peru teilgenommen haben: Ihr Reise- und Erfahrungsbericht über Klettertouren zu alten Inka-Stätten, den des Nachts erwachenden peruanischen Urwald sowie Einblicke in das gesellschaftliche Leben des südamerikanischen Andenstaates und nicht zuletzt über liebgewonnene Freunde auf der anderen Seite des Globus - ein „Lesemuss“ nicht nur für Spanisch sprechende Austauschwillige.

Wir, Carina und Yvonne, sind die ersten Schülerinnen des AGG Harsefeld gewesen, die am Peru-Austausch von CAPA (Centro de Amistad Peruano Alemán) teilgenommen und uns im Sommer 2013 zum Gegenbesuch bei unseren Austauschpartnerinnen Carla und Carolina für acht Wochen in Lima (Peru) aufgehalten haben. Zum Zeitpunkt unserer Reise hatten wir beide bereits zwei Jahre Spanisch-Erfahrung durch den Unterricht in der Schule und kamen damit in Peru sehr gut zurecht. Durch den Kontakt zu anderen deutschen Austauschschülern haben wir mitbekommen, dass man sogar mit nur sehr geringen oder gar keinen Spanisch-Kenntnissen zurechtkommen kann, da die Organisation bei der Zuteilung der Familien sehr sorgfältig vorgeht und Sprachkenntnisse der deutschen und peruanischen Austauschschüler/-familien besonders berücksichtigt. Dennoch sind unserer Erfahrung nach mindestens geringe Spanisch-Kenntnisse natürlich sehr von Vorteil.

Bevor Carla und Carolina zu Besuch nach Deutschland kamen, haben wir schon etliche Mails hin- und hergeschickt und auch einige Male „geskypet“, sodass wir uns schon ein wenig kennengelernt hatten und der Ankunft unserer „Schwestern auf Zeit“ entgegenfieberten.

Als es dann endlich soweit war, hatte man eigentlich gar nicht das Gefühl, als wären sie völlig Fremde, und wir haben uns schnell aneinander gewöhnt und uns gut verstanden. In den folgenden zwei Monaten ihres Aufenthalts in Deutschland wurden wir zu richtigen Freundinnen, und der Abschied fiel uns vieren sehr schwer. Einziger Trost: Schon in ein paar Monaten würden wir selbst nach Peru reisen, um unsere neuen Freundinnen wiederzusehen - und die Zeit bis dahin konnte mit Skypen, Chatten und Mailen überbrückt werden. Mitte Juni war es dann endlich so weit, und unsere Reise einmal um die halbe Welt konnte beginnen.

Schon bevor wir in Peru ankamen, wurde es aufregend, weil wir noch nie so lange geflogen waren und auch noch umsteigen mussten. Der Flug Amsterdam-Lima dauerte über zwölf Stunden, und wir waren froh darüber, nicht alleine zu reisen, denn auf dem Flughafen in Amsterdam haben wir weitere Austauschschüler getroffen, die ebenfalls mit CAPA reisten.

In Lima wurden wir dann herzlich von unseren Gastfamilien am Flughafen empfangen. Dort konnten wir auch endlich wieder unsere Gastschwestern Carolina und Carla in die Arme schließen. Müde waren wir, in Lima war es schließlich kurz nach sechs Uhr abends, in Deutschland durch den Zeitunterschied (im Sommer 7 Stunden) aber schon nach Mitternacht. Auf der Fahrt in unser neues „Zuhause auf Zeit“ bekamen wir auch gleich eine Kostprobe des chaotischen Verkehrs in Lima. Da wurden aus drei Spuren gerne auch mal vier, und lautes Hupen wurde zum Dauerzustand. Der Verkehr ist so ein Thema für sich …

Die Peruaner sind sehr herzlich, und man begrüßt sich immer mit einem Küsschen auf die rechte Wange. An der Schule waren für uns die Schuluniformen, die wir selbst aber nicht tragen mussten, ungewohnt, dadurch wusste aber jeder, dass wir „die Deutschen“ sind, auch wenn wir uns schon allein durch unsere hellen Haare abhoben.

Da es viele deutsche Austauschschüler an unserer peruanischen Schule gab, bekamen wir sogar einen extra Stundenplan und wir beide wurden verschiedenen Jahrgängen zugeteilt. Es war ganz schön, dass wir uns auch mit anderen Deutschen austauschen konnten. So erfuhren wir auf diese Weise mehr über die peruanische Mentalität: Beispielsweise sind Haushälterinnen in peruanischen Familien, die es sich leisten können, sehr typisch, für uns war das jedoch etwas völlig Neues. Und die meisten Peruaner sind katholisch - unsere Schule ist auch von katholischen Nonnen gegründet worden -, jedoch empfanden wir unsere Gastfamilien nicht unbedingt als streng gläubig.

In Peru herrschte zwar gerade Winter, doch immer Temperaturen um die 17° C, zeitweilig mit großer Luftfeuchtigkeit oder aber sonst sehr trocken. Sobald die Luftfeuchtigkeit über einhundert Prozent stieg, "regnete" es, das bedeutet: Es fiel ein feiner Nieselregen, einen anderen Regen kennt man in Peru nicht. Ein typisches peruanisches Essen ist Huhn mit Reis. Allgemein kann man sagen, dass das Essen dort sehr köstlich ist, vor allem die vielen frischen Früchte haben uns begeistert.

Wir fühlten uns sofort gut aufgenommen, obwohl leicht überfordert, wenn man allen Verwandten auf einmal vorgestellt wurde. Die unterschiedliche Sprache spielte besonders hier natürlich auch eine große Rolle. Plötzlich war man mehr oder weniger gezwungen, sich auf Spanisch zu verständigen, was am Anfang zwar etwas schwierig war, mit der Zeit jedoch immer besser gelang. Hilfreich war hierbei natürlich auch, dass wir notfalls immer auch auf die Hilfe unserer Deutsch sprechenden Gastschwestern zurückgreifen konnten.

Unsere Gastfamilien haben sich bemüht, uns Peru näherzubringen und mit uns auch einige Ausflüge in andere Teile und Landschaften von Peru unternommen, heraus aus der Millionenstadt Lima: Lustige Unternehmungen, wie zum Beispiel Wildwasser-Rafting in Lunahuanár, mit dem Strandbuggy durch die Wüste um die  Oase „La Huacachina“ nahe der Stadt Ica im Süden Perus zu rasen und dort die Dünen mit Sandboards herunterzufahren, machten diese Ausflüge unvergesslich. Auch die spanischsprachige Musik hat uns mitgerissen, z.B. die Reggaeton-Musik (die typische lateinamerikanische Party-Musik, z.B. „Limbo“ von Daddy Yankee oder Lieder von Nene Malo) oder aber auch einfach Lieder, die im Radio rauf- und runterlaufen (z.B. „Volvi a nacer“ von Carlos Vives oder „Pan y Mantequilla“ von Efecto Pasillo), ebenso die lustigen Feiern und Treffen mit anderen peruanischen Jugendlichen, die alle sehr nett und aufgeschlossen waren.

Ein großes Highlight unseres Auslandsaufenthalts war die von CAPA organisierte Reise, die die deutschen Austauschschüler buchen konnten. Es ging erst in das 3416 Meter über dem Meeresspiegel liegende Cusco und von dort hinab in die berühmte Inkastadt Machu Picchu in 2360 Meter Höhe. Dieser Teil war durch das viele Wandern und die viel zu kurzen Nächte äußerst anstrengend, aber sehr eindrucksvoll. Einige litten am Anfang an Höhenkrankheit und ausnahmslos alle waren wegen des vielen Bergauf- und Bergabwanderns am Schnaufen, abgesehen von unserem Guide, der fast das Rentenalter erreicht hatte, aber sich immer nur gewundert hat, wo denn alle Teilnehmer seiner „Seilschaft“ abblieben.

Wir sahen noch die mit Silber und Gold prunkvoll verzierte Kathedrale von Cusco, peruanische Frauen in Trachten, Meerschweinchen, die am Straßenrad über dem offenen Feuer gegrillt wurden, traditionelle Tänze, Ruinen (z.B. die Mauern der Inka-Festung Sacsayhuamán oder die Reste der Anbau-Terassen bei Pisaq) und vieles andere mehr. Besonders bewegend ist  der Tag gewesen, als wir eine staatliche Schule in einem kleinen Dorf in den Anden besucht haben und ein Kinderdorf der deutsch-peruanischen Hilfsorganisation „Herzen für eine neue Welt“, in der Waisen und Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen aufgenommen werden.

Danach ging es direkt weiter in den peruanischen Urwald in der Region „Madre de Dios“, eine einstündige Busfahrt und fast zweistündige Bootsfahrt von der Stadt Puerto Maldonado entfernt. Ein ganz anderes Klima und eine komplett andere Landschaft nahmen uns in Empfang. Der Dschungel wacht in der Nacht erst auf. Unsere Lodge war sehr offen angelegt, sodass die Fledermäuse einfach hindurchfliegen konnten. Das Ganze war sehr abenteuerlich, teilweise gab es kein Wasser, und die Moskitos erwiesen sich als äußerst heimtückisch. Trotzdem war es eine wunderbare Zeit und einfach ein tolles Gefühl, mitten im Urwald in einer offenen Lodge mit einigen Gleichaltrigen in der Hängematte zu liegen und hinaus in die Wildnis zu schauen. Einige Wanderungen und Bootstouren mit erfahrenen Guides, teilweise auch nachts, machten das Ganze dann noch spannender.

Spaß gemacht hat es auch, Piranhas zu füttern, diese zu angeln und anschließend selbst im von uns befischten See zu baden, ein eigenes Floß zu bauen und damit zurück zur Lodge zu paddeln, Papageien zu beobachten oder nachts mit dem Boot auf Kaiman-Suche zu gehen. Während unserer Reise haben wir die faszinierende Vielfalt Perus kennengelernt. Am Ende fiel uns verständlicherweise der Abschied von unserer „neuen“ Familie und den liebgewonnenen Freunden mehr als schwer. Man verließ sie mit einem lächelnden und einem weinenden Auge. Es hieß für uns "¡Adiós Perú!" und wieder ab in den Flieger.

Wir würden diesen Austausch jederzeit wieder machen und können ihn nur empfehlen. Wir haben einzigartige Erfahrungen gemacht und konnten dank unserer Gastfamilie für längere Zeit komplett in Land und Leute „eintauchen“. Man hat gelernt, gegenüber Neuem offen zu sein, sich auf fremde Kulturen einzulassen, sich anzupassen und zuweilen auch einfach nur zu akzeptieren, dass manche Dinge anderswo einfach anders laufen, als man es selbst gewohnt ist.

Wir denken, dass dies eine Erfahrung gewesen ist, die einen großen Beitrag zur eigenen Entwicklung leistet, einem hilft, erwachsener und reifer zu werden, offener zu sein für neue Herausforderungen und einen mit Durchhaltevermögen für Situationen im Leben ausstattet, in denen etwas einmal nicht so gut läuft. Natürlich ist ein willkommener Nebeneffekt auch die Verbesserung unserer Spanisch-Kenntnisse. Insgesamt gesehen ist es einfach eine tolle Gelegenheit gewesen, Freunde am anderen Ende der Welt zu finden - eine zweite Heimat und eine zweite Familie, die man in Zukunft liebend gerne jederzeit wieder besuchen würde.

Bericht und Fotos von: Carina Meyer und Yvonne Allers (Jg.12)

Kontakt mit der Organisation CAPA: www.capaperu.org

Auskünfte über ibero-amerikanische Austauschprogramme erteilt auch unsere Spanischlehrerin: Frau StR Nicole Bender