Aue-Geest-Gymnasium Harsefeld

Ausstellung "geflohen, vertrieben - angekommen?!" im AGG eröffnet

Nicht zu übersehen sind gegenwärtig im Eingangsbereich unseres Gymnasiums die sechsundzwanzig großen Din-A1-Plakate, die auf Stellwänden jedem, der das Forum betritt, gleich ins Auge fallen dürften: Sie gehören zu einer Ausstellung zum Thema „Flucht und Vertreibung“, die vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Schulen auf Anfrage zur Verfügung gestellt wird und am heutigen Tage (30.01.2018) vom Stader Landrat Michael Roesberg in seiner Eigenschaft als Kreisvorsitzender letztgenannter humanitären Organisation zusammen mit OStD Johann Book offiziell eröffnet wurde und zwei Wochen lang nicht nur den Mitgliedern unserer Schulgemeinschaft zugänglich sein wird.

Gleich drei Vertreter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. (VDK), Landrat Michael Roesberg, Bildungsreferent Karl-Friedrich Boese und den Geschäftsführer des Kreisverbandes Stade Kai-Ulrich Baak, konnte unser Schulleiter Herr Book heute Vormittag am Aue-Geest-Gymnasium begrüßen, um mit ihnen sowie den Schülerinnen und Schülern zweier Geschichtskurse der Jahrgangsstufe 12 und der Fachobfrau Geschichte am AGG Frau OStR´ Gudrun Dade die Ausstellung „geflohen, vertrieben – angekommen!? Aspekte der Gewaltmigration im 20. Und 21. Jahrhundert“ in Anwesenheit der Presse zu eröffnen.

Die Plakatausstellung zum Thema „Flucht und Vertreibung“ spannt einen Bogen von Erinnerungen an Ereignisse der Flucht und Vertreibung der Deutschen von 1933 bis 1945/46 bis hin zu noch gegenwärtigen Problemlagen im Zusammenhang mit Migrationsanlässen und -erfahrungen von aus Krisenregionen Flüchtenden, wie sie seit den Jahren 2015/16 in der Europäischen Union offenbar wurden. Und nicht zuletzt habe das Thema „Migration“, so der Bildungsreferent des VDK Karl-Friedrich Boese in seinen die Ausstellung einleitenden Worten, mit Blick auf die zurzeit geführten Koalitionsgespräche in Berlin „nach wie vor eine hohe tagespolitische Aktualität“.

Auch der Stader Landrat Michael Roesberg teilte diese Einschätzung und legte im Folgenden die seiner Auffassung nach überaus lohnenswerte Ausstellung, die er offiziell eröffnete, allen Schülerinnen und Schülern des AGG ans Herz. Sie selber hätten es ja bereits schon hautnah und anschaulich mitbekommen, was es bedeuten würde, seine Heimat notgedrungen verlassen zu müssen, und er erinnerte in diesem Zusammenhang an die im Dezember 2015 errichtete Notunterkunft für Flüchtlinge auf unserem Schulgelände.

Aber auch in Zukunft werde man sich angesichts absehbarer Migrationswellen, ausgelöst durch Ernährungsprobleme und den Klimawandel, „kümmern müssen, damit Flucht und Vertreibung nicht stattfinden müssen, was leider immer noch geschieht“, so Roesberg weiter. Denn das genaue Verfolgen von Nachrichten mache ersichtlich, dass es nicht wenige, sondern viele Hunderttausende Vertriebene weltweit gebe.

Gerade auch darauf aufmerksam zu machen, diene diese Ausstellung. „Nehmt euch Zeit dafür, denn diese Art von Vertreibung geht auch uns etwas an“, bat er abschließend die anwesenden Schülerinnen und Schüler, über die der Landrat sich erfreut zeigte, dass sie aktiv und an dem Thema „Flucht und Vertreibung“ so interessiert seien, denn diese schickten sich im Anschluss an seine Worte - mit Stift und Fragebögen ausgestattet - gleich an, sich die Thematik der Ausstellung selbstständig zu erschließen.

Fotos: D. Hinrichs

Zur Eröffnung dieser Ausstellung am Aue-Geest-Gymnasium ist am 31.01.2018 im TAGEBLATT ein Bericht mit dem Titel „Ausstellung: Flucht und Vertreibung in der Schule“ erschienen, den wir mit freundlicher Genehmigung des Autors Daniel Benecke an dieser Stelle veröffentlichen:

HARSEFELD. Zwei Wochen lang ist im Aue-Geest-Gymnasium in Harsefeld eine Ausstellung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge zum Thema „Flucht und Vertreibung“ zu sehen.

Landrat Michael Roesberg hat die sehenswerte Schau unter dem Titel „Geflohen, vertrieben, angekommen? Aspekte der Gewaltmigration im 20. und 21. Jahrhundert“ am Montagmorgen eröffnet.

Die Ausstellung zeigt die Erscheinungsformen der Migration der Deutschen von 1933 bis 1945/1946. Dargestellt werden die politischen Emigranten und die vertriebenen Juden ebenso wie die Schlesier und Ostpreußen, die ihre Heimat in den damaligen deutschen Ostgebieten verlassen mussten. Die Schüler sollen verstehen, wie die Mechanismen der Gewaltmigration funktionierten und wie deren Opfer in ihrer neuen Situation zurechtgekommen sind.

Roesberg, der im Ehrenamt Kreisvorsitzender des Volksbundes ist, erinnerte in seiner Ansprache an die jüngste Migrationsbewegung: „Da konnten Sie Flucht und Vertreibung hautnah erleben.“ Als die Asylbewerber in Scharen in die Bundesrepublik kamen, war auch in direkter Nachbarschaft des Gymnasiums eine Erstaufnahmeeinrichtung als Zelt aufgebaut. Die Schüler kümmerten sich um die Schutzsuchenden, brachten ihnen Weihnachtsgeschenke vorbei und gaben Deutschunterricht. Die reiche Bundesrepublik zeigte sich von ihrer freundlichen Seite.

14 Millionen Deutsche mussten zwischen 1944 und 1950 fliehen

Anders war die Situation vor 70 Jahren: Nach dem Krieg mussten die Flüchtlinge aus dem Osten „zwangsweise bei den Menschen zu Hause“ untergebracht werden – in einem zerbombten Deutschland, das wirtschaftlich am Boden lag. 14 Millionen Deutsche mussten zwischen 1944 und 1950 fliehen. Rund zwei Millionen starben. Mehr als drei Millionen Menschen kamen aus Schlesien, fast genauso viele hatten sich in der Tschechoslowakei, in Ostpreußen und in der Kurmark auf den Weg gemacht. Von der Völkerwanderung zwischen 1933 und 1950 sollen Schätzungen von Historikern zufolge etwa 30 Millionen Menschen betroffen gewesen sein.

"Es wird auch in Zukunft Menschen geben, die ihre Heimat verlassen müssen“, mahnte Roesberg. Kriege, Hungersnöte und nicht zuletzt der Klimawandel seien die Gründe dafür. In Afrika und Asien seien bereits Millionen Menschen auf dem Weg in andere Teile der Welt, weil sie in ihrer Heimat nicht mehr leben könnten. „Wir müssen den Menschen dort Wasser und Nahrung geben“, proklamierte der Landrat eine wichtige humanitäre Zukunftsaufgabe. „Das Thema geht uns alle an – auch hier in Harsefeld“, sagte Roesberg. Das spürten auch die Zwölftklässler, die mit einem Fragebogen durch die Ausstellung gingen. Sie waren die ersten Besucher, die sich der Schau annahmen. Zwei Wochen lang ist die Ausstellung nun im Forum des Aue-Geest-Gymnasiums zu sehen. Gruppen anderer Schulen und die interessierte Öffentlichkeit können sie nach einer Anmeldung im Sekretariat unter der Rufnummer 0 41 64/ 85 99 50 besuchen. Zuvor war die Schau an den Berufsbildenden Schulen in Stade aufgebaut. Mit Erfolg. „Die Schüler interessieren sich für das Thema“, sagte Roesberg.