Aue-Geest-Gymnasium Harsefeld

Romanklassiker begeistert junge Theaterfreunde

Vielstimmiges Rufen nach einer Zugabe und Begeisterungsschreie übertönten am Ende der Aufführung des Jugendbuchklassikers „Pünktchen und Anton“ am Hamburger Schauspielhaus den im Theater normalerweise aufbrandenden Applaus für die Akteure als Lohn für ihr Spiel am heutigen Tage um ein Mehrfaches. Für diese eher unübliche Reaktion mitverantwortlich: die gesamte Klassenstufe 5 des Gymnasiums Harsefeld, die eine Inszenierung der Kästnerschen Romanvorlage über eine „dicke“ Freundschaft, über Arm und Reich, über echte und vorgetäuschte Liebe und zwei Schurken als „zauberhaftes Weihnachtsstück“ miterlebte.

Nein, dem Finale einer „Casting-Show“ oder dem Auftritt einer Band hatte man nicht beigewohnt - und doch riss das Gesehene auch das jugendliche Harsefelder Theaterpublikum wiederholt „aus den Sitzen“, so temperamentvoll, quirlig und animierend erlebten sie das Bühnengeschehen an diesem Vormittag: Da werden von ihnen die musikalischen Einlagen durch rhythmisches Klatschen begleitet, der „dicken Berta“ (Haushälterin der Familie Pogge) Handlungsanweisungen zugerufen, wie sie denn mit der Schinkenkeule auf den Ganoven und Einbrecher Robert („der Teufel“) einzuschlagen habe, und der fiese Mitschüler Gottfried Klepperbein wird gnadenlos ausgebuht - eigentlich die drastischste Zuschauerreaktion auf eine Schauspielerleistung (gemeint war aber seine „undankbare“ Rolle) -, als er dem Publikum mit einem Geldschein als Lohn für seine Denunziation der beiden uneingeschränkten Sympathieträger dieses Stückes, der Fabrikantentochter Pünktchen und ihrem Freund Anton, provokant zuwinkt. 

Pünktchen und Anton ? Berta ? Gottfried Klepperbein ? Direktor Pogge ? Fräulein Andacht ? Die Figuren vorstellen und den Inhalt eines der berühmtesten Kinderbücher erzählen, muss man im Grunde genommen wohl nicht mehr, denn die meisten kennen die Geschichte der beiden in so unterschiedlichen Verhältnissen lebenden Berliner Kinder, deren Freundschaft sich aller Widrigkeiten zum Trotz als wahrhaftig und unzertrennlich erweist. Auch dieses den Fortlauf der Handlung begleitende und durchgängig erfahrbare Leitmotiv blieb in Anbetracht der auch die Gemüter ansprechenden und sie bewegenden Inszenierung wohl keiner Theaterbesucherin und keinem Theaterbesucher verschlossen, macht es doch letztlich wohl die Anmutsqualität der Erzählung Kästners aus. Und nicht zuletzt trug zu dieser Begeisterung und zum Erstaunen aller auch ein raffiniertes Multifunktionsbühnenbild bei, das an eine Art Puppenstube erinnerte und durch geschicktes Verschieben der Pappmaché-Wände bald das Wohnzimmer des Gehstockfabrikanten Pogge, bald die Straßen Berlins gegenwärtig machte, auf denen dann am Schluss des Stückes sogar dessen „Abgase“ ausströmende Luxuskarosse mit den versöhnten Familien Pogge und Gast an die Nordsee davondüste.  

Am Ende also eine Kriminalgeschichte mit Happy End, die besonders auch von den hinreißend wie einfühlsam spielenden Akteuren (Marina Lubrich als Pünktchen und Anton Pleva als Anton) zu einem knapp neunzigminütigen Theatererlebnis für alle Fünftklässler/innen wurde, so dass sich im Anschluss an die Aufführung nahezu alle darüber einig waren, dass man das richtige Stück für die traditionell in der Weihnachtszeit stattfindende Theaterfahrt des Gymnasiums Harsefeld in ihrer Jahrgangsstufe ausgewählt und besucht hatte.